Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - Zeckenstich vermeiden

Sobald es draußen wärmer wird, werden auch Zecken aktiv. Zecken halten sich besonders gern in hohem Gras, im Unterholz oder in feuchtem Laub auf. Wenn Kinder dort spielen oder hindurchlaufen, können Zecken leicht an Kleidung oder Haut gelangen und sich festbeißen. Beim Blutsaugen können Zecken Krankheitserreger übertragen. Dazu gehören vor allem die Viren der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die eine Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten verursachen können, sowie Bakterien, die die Lyme-Borreliose auslösen.

In welchen Gebieten treten FSME-Viren und Borrelien auf?

FSME Risikogebiet Deutschland
FSME Risikogebiet, Quelle: RKI, Stand 15. Januar 2026

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kommt in Deutschland nur in bestimmten Risikogebieten vor. Hier zählen vor allem Baden-Württemberg und Bayern, aber auch südlichen Hessen (Odenwald) und im südöstlichen Thüringen. Betroffen sind auch die Landkreise Marburg-Biedenkopf (Mittelhessen), Saar-Pfalz-Kreis (Saarland), Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) und Vogtlandkreis (Sachsen). 

Die in Europa am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit ist die Lyme-Borreliose. Die Bakterien, die Lyme-Borreliose auslösen können, kommen nicht nur in bestimmten Risikogebieten vor, sondern können grundsätzlich überall dort auftreten, wo Zecken leben.

Was ist Borreliose?

Die Borreliose wird durch den Bakterienstamm Borrelia burgdorferi verursacht. In Deutschland tritt vor allem eine bestimmte Form der Borrelien-Infektion auf, die Lyme-Borreliose. Deshalb wird sie im Alltag meist einfach Borreliose genannt. Die Infektionskrankheit wird nahezu ausschließlich durch Zecken übertragen, überwiegend durch die Art „Gemeiner Holzbock“.

 

Wenn Borrelien beim Stich einer Zecke in den Körper gelangen, breiten sie sich zunächst in der Haut rund um die Stichstelle aus. Im weiteren Verlauf können sie über die Blutbahn auch andere Bereiche des Körpers, zum Beispiel Organe oder das Nervensystem, erreichen. 


Kann ich mein Kind mit einer Impfung schützen?

Bei Auf­enthalt in FSME-Risiko­gebieten und Kontakt zu Zecken empfiehlt die Ständige Impf­kommission die Impfung gegen FSME. Die Impfstoffe gelten insgesamt als gut verträglich. Besonders bei jüngeren Kindern kann es jedoch häufiger zu Fieber als Impfreaktion kommen.

 

Bei Kindern unter drei Jahren ist es daher sinnvoll, gemeinsam mit der Kinderärztin individuell abzuwägen, ob und wann eine Impfung empfohlen wird. Dabei werden das persönliche Risiko des Kindes und die Lebensumstände der Familie berücksichtigt.

 

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es bis­lang nicht. Daher sollten die Möglich­keiten genutzt werden, Zecken­stiche zu vermeiden.

Was sind Symptome von Borreliose?

Die Symptome von Borreliose sind unterschiedlich. Ein typisches frühes Anzeichen ist die sogenannte Wanderröte – eine sich ausbreitende Rötung der Haut rund um die Zeckenstichstelle. Wird die Erkrankung früh erkannt, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.

Wie ist der Krankheitsverlauf von Borreliose?

Die Borreliose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Medizinisch wird die Erkrankung meist in drei Stadien eingeteilt, die jedoch fließend ineinander übergehen können. Welche Beschwerden auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt unter anderem von der individuellen körperlichen Verfassung und dem Immunsystem ab.

 

Viele Infektionen bleiben sogar unbemerkt: Nur etwa jede dritte bis vierte infizierte Person entwickelt überhaupt Beschwerden. Es ist daher möglich, dass gesunde Erwachsene nach einer Infektion keine oder nur milde Symptome verspüren. Auch vorübergehende Beschwerdeschübe können vorkommen. Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind jedoch anfälliger für stärkere Krankheitsverläufe.

 

Wichtig zu wissen: Nicht alle Symptome müssen auftreten. Sie können einzeln oder in Kombination vorkommen – oder auch ganz ausbleiben.

 

Ein typisches frühes Anzeichen ist die Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt meist einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich auf. Häufig zeigt sie sich in der Umgebung der Stichstelle, kann aber auch an anderen Körperstellen entstehen.

Dabei handelt es sich um eine ringförmige Hautrötung, die in der Regel mindestens etwa 5 cm groß ist. Typisch ist, dass sie in der Mitte heller und am Rand stärker gerötet ist und sich über mehrere Tage langsam nach außen ausbreitet.

Bei Erwachsenen tritt die Wanderröte am häufigsten an den Beinen auf. Kinder zeigen sie dagegen öfter im Bereich von Kopf oder Hals.

 

Zusätzlich können weitere Beschwerden auftreten, z. Bsp.:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen
  • Fieber
  • geschwollene Lymphknoten oder Gelenke
  • Taubheitsgefühle
  • Übelkeit
  • Konzentrationsprobleme oder Stimmungsschwankungen

 

Die Diagnose kann manchmal schwierig sein, da viele dieser Beschwerden auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Selbst die Wanderröte tritt nicht in allen Fällen auf. Bei Kindern ist die Einschätzung zusätzlich erschwert, weil sie mögliche Beschwerden oft noch nicht genau beschreiben können.


Diagnose und Behandlung der Borreliose bei Kindern

Die Symptome einer Lyme-Borreliose reichen allein meist nicht für eine sichere Diagnose aus. Ein wichtiger Baustein ist daher eine Blutuntersuchung, bei der nach Antikörpern gegen die Borrelien gesucht wird. Allerdings sind auch diese Tests nicht in jedem Stadium der Erkrankung eindeutig.

Kinder laufen in grüner Wiese

Kinderärzte gehen deshalb nach dem Ausschlussverfahren vor und untersuchen Ihr Kind auf andere infrage kommende Krankheiten. Wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden, erhärtet sich der Verdacht auf eine Borreliose.

 

Nur in seltenen Fällen sind weiterführende Untersuchungen notwendig, etwa eine Untersuchung der Rückenmarkflüssigkeit (Nervenwasser) oder eine Gewebeprobe. Diese werden meist nur dann durchgeführt, wenn der Verdacht besteht, dass die Infektion bereits weiter fortgeschritten ist und möglicherweise das Nervensystem oder andere Organe betroffen sind.

 

Wird bei Ihrem Kind eine Borreliose diagnostiziert, erfolgt die Behandlung in der Regel mit einem Antibiotikum. Welche Medikamente eingesetzt werden und wie lange die Therapie dauert, hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Begleitend können Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems ergriffen werden.

 

Die Heilungschancen bei Kindern sind in der Regel sehr gut, besonders wenn die Erkrankung früh erkannt und behandelt wird. Eine bereits überstandene Borreliose schützt nicht vor einer erneuten Infektion.


Borreliose – Wichtige Punkte für Eltern

Borreliose ist eine bakterielle Infektion, die vor allem durch Zeckenstiche übertragen wird.

Die Symptome sind oft unspezifisch, daher ist Vorsicht geboten.

Vorbeugende Maßnahmen verringern das Risiko einer Infektion:

  • Beim Spielen im Freien: lange Hosen, langärmelige Oberteile und festes Schuhwerk tragen
  • Repellents (zeckenabweisende Sprays oder Lotionen) nutzen
  • Kind nach dem Aufenthalt im Freien sorgfältig absuchen
  • Zecke frühzeitig entfernen

Bei Verdacht auf eine Infektion: unverzüglich ärztlich abklären lassen.

Antibiotika vorbeugend nach einem Zeckenstich ohne Krankheitszeichen wird nicht empfohlen.

Glühbirne mit Tipp von Kinderarzt München.

Tipps von Ihrem Kinderarzt München | Dr. med. Anne Katrin Rothe

Nicht manipulieren: Verzichten Sie auf Öl, Klebstoff oder das Zerquetschen der Zecke, da dadurch Erreger freigesetzt werden könnten.

Richtig greifen: Die Zecke mit Zeckenzange, Pinzette oder Zeckenkarte möglichst nah an der Haut am Kopfbereich fassen.

Vorsichtig herausziehen: Gerade und gleichmäßig in einem Zug herausziehen, nicht drehen oder quetschen.

Wunde desinfizieren: Anschließend die Stichstelle sorgfältig reinigen und desinfizieren.

Reste kein Grund zur Panik: Bleiben kleine Zeckenreste zurück, kann die Haut leicht entzündet reagieren, das Borreliose-Risiko steigt dadurch jedoch nicht.

Beobachten: In den nächsten 3 Wochen die Stichstelle beobachten. Tritt eine Wanderröte auf, sofort kinderärztlich abklären lassen.

 

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Ihr Kinderarzt München | Dr. med. Anne Katrin Rothe


Quellen: Dr. med. Anne Katrin Rothe, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Tropeninstitut Dr. Gontard, RKI